Himbeersekt & Networking – Ich hab einen Unternehmerpreis gewonnen

Ich mach mit

2011 hatte ich den glorreichen Gedanken, an einer Preisausschreibung teilzunehmen. Der Preis hieß “move on Niederösterreich”. Zu diesem Zeitpunkt war ich selbständig mit Webdesign und Grafik. Es lief gut, ich war übermotiviert, hatte keine Ahnung von Politik und hatte Spaß an dieser Extra-Arbeit.

Ich gestaltete eine Präsentation über meine Arbeit und schickte sie einer Jury. Entgegen meinen Erwartungen kam ein paar Wochen später ein Brief mit herzlichen Glückwünschen, ich hätte den 2. Platz gewonnen. Mir wurde plötzlich klar, was das bedeutete, nämlich, dass ich jetzt zu einer mir verhassten Preisverleihung mit Himbeersekt und Fotografen gehen müsste.

Ich suchte 1 Woche lang nach einer Ausflucht und schrieb sämtlichen Verantwortlichen, dass sie mir den Preis einfach per Post schicken sollten. Ging nicht, sie wollten ja aufs Foto drauf. Für die Zeitung. Für das Gemeinwohl. Sie könnten höchstens mit allen Fotografen und Politikern zu mir nach Hause kommen, da müsse ich einen Termin ausmachen, dann geht das. Das war ja noch schlimmer.

Du musst zur Preisverleihung gehen

Meine Eltern überredeten mich letztendlich, zur Preisverleihung zu gehen. Die Preisverleihung war im Oktober, das war das Gemütlichste daran. Ich mag Oktober. Keiner sonst wollte dorthin mitgehen (meinen Eltern hab ich es verboten), deshalb ging ich allein.

Die Preisverleihung fand in der FH Wiener Neustadt statt, mitten in der Nacht um 19 Uhr. Es war schon finster draußen, als ich in einen neongrellen, erleuchteten Raum kam, in dem es etwa 27°C hatte, voll mit 300 Leuten, Fotografen, wichtigen Politikern, Preisgewinnern und Anhang.

Ich suchte mir einen Platz ganz hinten links am Rand, neben dem Ausgang. Neben mir saß eine Frau, die augenscheinlich nervöser war, als ich. Sie wippte während der gesamten Wartezeit von fast 2 Stunden mit dem Fuß und klopfte sich auf die Pulsadern. Ich glaube, sie führte eine Klopf-Akupressur durch, um sich zu beruhigen. Meine eigenen Panikattacken hatte ich ganz gut unter Kontrolle. Es beruhigte mich, dass jemand neben mir saß, der komplett fertig war.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Nach einer ewig langen Rede über wie wichtig das hier alles ist, wurden endlich die Preise vergeben. Bis dahin dauerte es etwa 1 Stunde. Die Leute wurden nach der Reihe aufgerufen in mehreren Kategorien. Meine Kategorie war natürlich die Frauen-an-die-Macht-Kategorie und die Jungunternehmer Kategorie.

Ich wurde aufgerufen und jemand an einem Pult erklärte, was ich so tue und warum ich einen Preis dafür verdiene. Zu dieser Zeit kam gerade das barrierefreie Webdesign groß raus und ich hatte den Eindruck, sie fanden Gefallen daran. Barrierefrei, etwas für Behinderte tun, ah das ist gut, das nehmen wir. Und ich glaube, dass ich in meinen Referenzen Flashanimationen hatte, die im ORF gelaufen sind, half auch ein bisschen. Alles Politik halt. Ich spürte schon damals, dass die ganze Sache nichts mit mir zu tun hatte.

Ich will meine Leistungen hier garnicht schmälern. Ich habe sicherlich eine sehr gute, übersichtliche und grafisch ansprechende Präsentation gestaltet – das gehört zu meinen Stärken. Und unter meinen Kunden waren auch einige, auf die ich stolz war, zum Beispiel das Konrad Lorenz Institut. Doch das, worauf ich stolz war, war nicht das, wofür ich den Preis erhielt.

Während der Mann also so gut er konnte über meine Leistungen sprach, wurde mir im Hintergrund der Preis gegeben und es wurde ein Foto gemacht. Das ist das Foto:


Hier sieht man sehr gut, wie mein Preis aussieht. Zweite Plätze bekamen eine Trophäe aus Glas überreicht mit einem Folder dazu. Warum hebt der rechte Mann sein Bein?

Ein bisschen trixen für die Zeitung

Ich wollte gerade gehen und zog meine Jacke an. Doch dann wurde mir mein Preis aus der Hand genommen und ein anderer Preis in die Hand gedrückt. Hmm? Man drängte mich im Namen der Frauenquote mit einer anderen Frau in die Mitte des Raumes und gab mir den 1. Preis zu halten.

Hier der Beweis:


Das Foto landete tatsächlich ein paar Wochen später in der NÖN. Ohne meinen Preis.

Und die Klopf-Akupressur-Frau hat den 1. Preis gewonnen. Ich freue mich für sie :>

Schnell nach Haus

Nach der Siegerehrung und feierlichem Applaus machten sich die Leute auf den Weg nach draußen, auf zum Networking mit Himbeersekt. Ich schnappte meine Glastrophäe, verließ als Erste den Saal und rannte.

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